Es regnete. Zuerst
fielen nur vereinzelt dicke Tropfen, aber nach und nach öffnete der Himmel
seine Schleusen und ein eiskalter sintflutartiger Regen ergoss sich über den
kleinen Friedhof in Godrics Hollow.
Die wenigen Gäste der soeben beendeten Trauerfeier murmelten sich gegenseitig
flüchtige Grüße zu und disapparierten mit einem
leisen Plopp in ihre warmen und gemütlichen Häuser
zurück.
Alle, bis auf zwei dunkel gekleidete Gestalten, die einsam vor einer Reihe von
Gräbern standen.
Die eine Gestalt, eine Frau etwa Anfang 40, groß und schlank mit langem,
glanzlosem blondem Haar- das in ihrer Jugend von vielen Verehrern als
Engelshaar bezeichnet worden war- hatte die Arme fest um ihren frierenden
Körper geschlungen, der nur von einer dünnen schwarzen Robe vor dem
aufkommenden Nordost Wind geschützt wurde. Bei genauerem hinsehen konnte der
aufmerksame Beobachter feststellen das die blasse Frau früher einmal sehr
hübsch gewesen sein musste. Man musste sich nur die feinen Falten, die begannen
sich einen Weg über ihr Gesicht zu bahnen weg- und ein wenig Farbe in ihr
Gesicht dazudenken. Am interessantesten waren zweifellos immer noch ihre Augen.
Die Farbe, ungewöhnlich für eine Blondine, tiefschwarz mit goldenen Pünktchen
darin. Und obwohl ihr genau diese "Farbtupfer" einen fröhlichen Blick
verliehen, blickte man gleichzeitig in ein paar unglaublich erschöpfter und
leerer Augen.
Der Mann an ihrer Seite war hochgewachsen und hatte
einen bodenlangen schwarzen Mantel um seinen hageren Körper geschlungen. Seinen
schwarzen Augen nach zu urteilen, die müde über einige Gräber schweiften,
konnte er höchstens zwischen 40 und 45 Jahren alt sein. Doch sah man sich sein
graues, müdes Gesicht, mit den vielen Sorgenfalten die sich im Laufe der Jahre
angesammelt hatten und sein schlaff herunterhängendes schwarzes Haar genauer
an, würde man ihm ohne weiteres 10 zusätzliche Jahre geben.
Auf den Grabsteinen vor denen sie reglos standen konnte man verschiedene Namen,
Geburts- und Todesdaten und einige Inschriften lesen. Manche kürzer und
schlichter als andere. Vereinzelt waren auch Ornamente oder kleine Figuren in
den Marmor eingraviert. Sirius Blick blieb an den zwei Gräbern unter einer
stattlichen Trauerweide hängen, mit denen alles begonnen hatte.
Langsam steuerte er auf sie zu und kniete sich vorsichtig in die vom Regen
aufgeweichte Erde. Die Frau an seiner Seite setzte sich ebenfalls, wenn auch
zögernder in Bewegung und blieb neben ihm stehen.